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Zeitungsarchiv

Hier finden Sie einige Zeitungsartikel über das Museum.

Radiomuseum wieder auf Sendung
Blumenvasenradio und "prähistorische" Röhren - 26. Radiobörse

Radiomuseum wieder auf Sendung

Niederelbe-Zeitung vom Mittwoch, 9. Juni 2010 - Seite 16
Museum wieder geöffnet
Radio – für die meisten Menschen bedeutet das Hintergrundbeschallung auf der Autofahrt zur Arbeit. Nicht für Wolfgang Tenschert und Thomas Schult. Foto: Mangels

VON JENS-CHRISTIAN MANGELS

Egal auf welches Knöpfchen Thomas Schult drückt, immer dudelt nach ein paar Sekunden eine Melodie. Doch es sind nicht diese klaren, sauberen Töne, wie man sie heute aus der Stereoanlage im eigenen Wohnzimmer oder dem Autoradio kennt. Die Lieder versprühen das Flair vergangener Jahrzehnte – begleitet von dem nostalgischen Knacken und Rauschen. Vorhang auf für das Norddeutsche Radiomuseum.

Dicht an dicht drängen sich in den Vitrinen die zum großen Teil wunderschönen alten Geräte, die auch derjenige zu bewundern vermag, der kein Radioliebhaber ist. „Ein Großteil der Apparate ist noch funktionsfähig“, sagt Thomas Schult. Der gelernte Funkelektroniker ist der „Neue“ im Team des Lamstedter Radiomuseums, das 2001 von dem Radiosammler Wolfgang Tenschert gegründet wurde. Aufgrund einer schweren Erkrankung von Tenschert musste das Museum im Januar 2007 schließen. Doch jetzt kehrt wieder Leben ein ins Dachgeschoss des Bördehuus: Mit Thomas Schult und Jens Dede haben sich zwei Ehrenamtliche gefunden, die das Norddeutsche Radiomuseum mit Wolfgang Tenscherts Frau Erika wieder regelmäßig öffnen wollen. „Dass wir jetzt weitere Helfer haben, war für mich und meinen Mann wie ein Sechser im Lotto“, sagt Erika Tenschert.

Rund 100 Radios sind im Museum zu bewundern. Vom Schiebespulen- Detektor von 1923, einem der ersten und einfachsten Radioempfangsgeräte, bis zum Blaupunkt- Wehrmachts- empfänger, vom programmierbaren „Super“ im kaukasischen Nussbaumgehäuse bis zum Designer-Radio aus der Serie „Braun Atelier“ mit eingebautem Schallplattenspieler ist alles vorhanden, was nur irgendwie mit Hörfunkkultur zu tun hat. Prunkstück der Sammlung ist ein Telefunken-Apparat vom Typ E 381 H, im Volksmund „Brotkiste“ genannt. Das Museumsteam ist sich sicher, dass es sich bei dem Gerät um den Funkempfänger des legendären Luftschiffs „Hindenburg“ handelt, mit dem die Passagiere jeden Tag ein paar Stunden lang ihren Heimatsender empfingen. Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück ist das „Tefifon“. Das Gerät ist eine Art Kassetten- Abspieler. In den Kassetten befanden sich Endlos-Bänder, die mit Rillen – ähnlich wie bei Schallplatten – versehen waren und die von einem Tonabnehmer mit Nadel in akustische Signale umgewandelt wurden.

Alles ist das längst nicht: Rund 1000 Radios hat Wolfgang Tenschert im Laufe der Jahre bei sich zu Hause angehäuft. „Viele Geräte stammen von Dachböden und aus Wohnungsauflösungen“, sagt Erika Tenschert. Und so ist im Bördehuus nur ein kleiner Teil der Radiosammlung zu sehen. Spannend ist ein Besuch auf jeden Fall: für die ältere Generation, die sich an Zeiten erinnert, als noch nicht das Fernsehen das Fenster zur Welt war, für die Jüngeren, die sich das kaum noch vorstellen können.

Nach über dreijähriger Pause öffnet das Norddeutsche Radiomuseum am Sonntag, 13. Juni, wieder seine Türen. Im Obergeschoss des Bördehuus ist ein chronologischer Rundgang durch 80 Jahre Deutsche Rundfunkgeschichte zu sehen. Zunächst ist geplant, das Museum an jedem zweiten Sonntag im Monat in der Zeit von 14 bis 17 Uhr zu öffnen. Für 1,50 Euro Eintritt kann man sich vom guten Klang der alten „Dampfradios“ überzeugen. Oder aber sich eine Gänsehaut über den Rücken jagen lassen, wenn aus dem alten Wehrmachtsempfänger „Lili Marleen“ ertönt.

Blumenvasenradio und "prähistorische" Röhren

26. Norddeutsche Radiobörse in der Lamstedter Bördehalle

Niederelbe-Zeitung vom Montag, 6. März 2006 - Seite 16
26. Radiobörse
Marcel Ritmeester, Leiter des niederländischen Radio-Elektrizitätsmuseums, zählte wie zahlreiche andere Sammler und Bastler zu den Besuchern der norddeutschen Radiobörse in Lamstedt. Foto: Schiefelbein

ho. Neben geschichtsträchtigen Geräten wechselten historische Tondokumente, Wachswalzen, Schellackplatten und Schiebespulendetektoren ihre Besitzer. Die knapp 40 Aussteller boten Nachdrucke alter Kataloge, Schalt- und Reklamebilder an.

Sammler, die auf der Suche nach einzelnen Ersatzteilen und Bedienungselementen aller Art waren, wurden fündig. „Auch diesmal sind etliche Raritäten und kleinere Attraktionen über den Tisch gegangen“, freute sich Wolfgang Tenschert, der seine 26. Norddeutsche Radiobörse organisierte.
In der Bördehalle Lamstedt gaben sich am Sonntag vor allem die Radiofreaks ein Stell-dich-ein. Zu den Gästen zählte auch Marcel Ritmeester, der Leiter des ersten niederländischen Radio- Elektrizitätsmuseums. „Ich fahre gern die rund 200 Kilometer von Hoenderloo in der Nähe von Apeldoorn nach Lamstedt. Die Börse ist übersichtlich und gemütlich; die Organisatoren freundlich und hilfsbereit“.
Er wurde bereits mehrmals in der Bördehalle fündig und mit so manchem Exponat aus Urgroßvaters Zeiten im Gepäck trat er die Rückreise an. Der holländische Stammgast bot aber selbst einige sehenswerte Exemplare an, so einen Philipps Lautsprecher (Baujahr 1930) und einen Röhrenempfänger „Nautrodyne“ der Firma Lange. Aus Salzgitter war Krystian Kryska einmal mehr angereist. Er betreibt ein eigenes Labor mit Präzisionswerkstatt, in dem Detektoren und Mehrfachröhren detailgetreu nachgebaut werden. Von seinen Röhren der „prähistorischen Generation“ vor der Betriebsfertigung schwärmte selbst Wolfgang Tenschert. Er hatte außerdem ein Radio in einer Blumevase namens „Ponti“ sowie den „D-Zug“, ein aus mehreren Bauteilen bestehendes Radio im Angebot, das von dem Unternehmen Siemens und Halske 1923/24 gebaut wurde.
Rudolf Kernchen aus Bremerhaven, ebenfalls fast immer dabei, hatte eine Originalwerbeschild von Mende-Radio mitgebracht, mit dem die Dresdener Firma vor dem 2. Weltkrieg um Kunden warb. „Man muss mit der Zeit gehen“ ist seine Devise. So ließ der Weserstädter Minitrucks in garantiert limitierter Auflage mit der Aufschrift „Telefunken – die deutsche Weltmarke“ erstellen.